Leseproben
Einleitung
Wie heißt die Hauptstadt der Mongolei? Richtig, Ulan-Bator. Ob es für Sie von Nachteil ist, wenn Sie bei der Frage passen müssen? Wohl kaum, falls Sie nicht gerade bei Günther Jauch Millionär werden wollen oder zu einem Empfang bei Nambaryn Enchbajar, dem mongolischen Staatspräsidenten, eingeladen sind. Ganz anders sieht es aus, wenn Ihr Wissen über Finanzen Lücken aufweist. Das kostet praktisch immer bares Geld. Wenn Sie ohnehin genug auf dem Konto haben, dann ist das natürlich kein Problem. In allen anderen Fällen hilft Ihnen dieses Buch weiter.
Bei einer Umfrage der Commerzbank zum Thema Finanzen konnten 42 Prozent der Teilnehmer nicht einmal die Hälfte der Fragen korrekt beantworten. 60 Prozent der Bundesbürger schaffen es nicht, aus drei Vorgaben die richtige Definition für Rendite herauszufinden. Obwohl die Medien täglich ausführlich über den DAX berichten, sind nur 41 Prozent der Menschen in der Lage, zu erklären, was es mit einem Aktienindex auf sich hat. Gleichzeitig fühlen sich 80 Prozent der Deutschen bei der Planung und Abwicklung ihrer Finanzen zumindest »einigermaßen sicher«. Wie das zusammenpasst? Eigentlich gar nicht! Da klafft eine riesige Lücke zwischen Selbsteinschätzung und wirklichem Finanzwissen.
Die Folgen einer mangelnden Allgemeinbildung in Sachen Geld? Jahr für Jahr kommen in Deutschland beispielsweise über 50 000 Häuser und Wohnungen unter den Hammer. Wichtigster Grund für die Zwangsversteigerungen: Das Finanzierungskonzept stand von Anfang an auf tönernen Füßen – die Konditionen waren ungünstig, die Flexibilität gering oder die Kreditsumme so hoch bemessen, dass der Kapitaldienst den Schuldnern die Luft abschnürte.
Weit verbreitet ist auch das Phänomen, »auf Kredit zu sparen«: Da stottert jemand eine Hypothek ab oder ist ein halbes Jahr lang mit seinem Girokonto im Minus, zahlt aber gleichzeitig Monat für Monat brav in eine private Rentenversicherung ein. Zur selben Zeit 5 oder 12 Prozent Schuldzinsen abdrücken und nur 3 Prozent Zinsen für die Ersparnisse einfahren – sicherer kann man sein Vermögen gar nicht pulverisieren.
Sehen wir uns ein anderes Beispiel an: Deutsche Anleger erzielten von 1991 bis 2006 auf ihr Vermögen im Durchschnitt Erträge von lediglich 2,3 Prozent, die Inflationsrate bereits abgezogen. Weshalb fallen die Renditen so mickrig aus? Es fehlt eben am finanziellen Know-how.
Es existieren weitere Ergebnisse aus Befragungen, die ein ähnliches Bild zeichnen: Zum Beispiel, dass gerade mal die Hälfte der Teilnehmer den Unterschied zwischen Aktien und festverzinslichen Papieren richtig erklären kann. Die Folge? Was der Anleger nicht richtig versteht, das legt er auch nicht ins Depot. Zudem glaubt nur jeder Dritte, dass Aktien auf lange Sicht rentabler sind als andere Geldanlagen. Weiterhin haben lediglich 11 Prozent der Befragten etwas von Indexfonds und ETFs gehört, Anlagen, die das Geld der Anleger mit besonders niedrigen Verwaltungskosten vermehren. Und ein Drittel der Menschen in Deutschland weiß nicht, dass die Kündigungskosten von Kapital-Lebensversicherungen und privaten Rentenversicherungen in den ersten Jahren nach Vertragsabschluss die höchsten aller Anlageprodukte sind. Deshalb sollte ein solcher Abschluss besonders gut überlegt sein. Doch vorzeitige Kündigungen kommen so häufig vor, dass die Verluste der Versicherten nach einer Hochrechnung der Verbraucherzentrale Hamburg pro Jahr mehr als 3 Milliarden Euro betragen!
Und noch so ein hartnäckiger Irrtum: Die »gefühlte Rendite« von Sparbuchanlagen beträgt Umfragen zufolge 3 Prozent. Tatsächlich können die meisten Sparbuchbesitzer froh sein, wenn sie zurzeit ein schlappes Prozentchen Zinsen gutgeschrieben bekommen. Diese und eine Unmenge weiterer Wissenslücken schmälern ganz klar das Vermögen der Anleger.
Jetzt sagen Sie vielleicht, hier und da mal ein paar Euro zu verlieren sei nicht so schlimm. Wenn es denn dabei bliebe. Denn dramatisch sind die langfristigen Folgen. Hier ein Beispiel: Ein durchschnittlicher Haushalt in Deutschland legt Monat für Monat etwa 200 Euro an Ersparnissen zurück. Gelingt es ihm, 4 Prozent Rendite zu erzielen, dann besitzt er nach 35 Jahren gut 59 000 Euro mehr, als wenn er nur die üblichen 2 Prozent Rendite pro Jahr einführe. Übrigens: Dieser Betrag ist bereits in heutiger Kaufkraft ausgedrückt.
4 Prozent Rendite klingen übrigens nur scheinbar niedrig, denn sie verstehen sich hier nach Abzug der Kosten für die Geldanlage, der Steuern sowie der Inflationsrate. Aber mit einer verbesserten finanziellen Allgemeinbildung muss dieses langfristige Renditeziel nicht unrealistisch bleiben.
Lassen Sie sich das mal auf der Zunge zergehen: Ein gutes Finanzwissen kann in einem Durchschnittshaushalt zu einem Mehreinkommen von 1700 Euro pro Jahr führen! Natürlich auf den Lebenszyklus betrachtet. Denn in den letzten Jahren vor der Rente würde dieses Mehreinkommen deutlich höher ausfallen als zu Beginn des Arbeitslebens, wenn weniger Ersparnisse vorhanden sind. Das Tolle ist, dass es für dieses Zusatzeinkommen nur eine Bedingung gibt: Die Anleger müssen dazu bereit sein, sich 10 oder 20 Stunden im Jahr mit ihrer Geldanlage zu beschäftigen, und einer Reihe von Verlockungen der Finanzindustrie widerstehen. Der Stundenlohn ist ein Traum für jeden Normalverdiener: 85 bis 170 Euro pro Stunde – im Durchschnitt wohlgemerkt.
Lücken im Wissen um finanzielle Angelegenheiten machen sich im Übrigen auch beim Versicherungsschutz bemerkbar. Eine große Anzahl an Haushalten hat überflüssige Versicherungen für unbedeutende Risiken wie den Verlust des Handys oder Glasbruch abgeschlossen, während Risiken, die eine Existenz zerstören könnten – Berufsunfähigkeit oder Todesfall – seltener abgesichert sind. Zudem können Haushalte bei den gezahlten Prämien enorm sparen: Eine Privathaftpflichtversicherung etwa können Sie bei vergleichbaren Leistungen für 140 Euro, aber auch für 55 Euro jährlich abschließen. Der Bundesverband der Versicherungsberater beziffert die Einsparpotentiale auf 400 Euro pro Haushalt und Jahr.
Auch zu den bisweilen ziemlich fragwürdigen Angeboten von Versicherern erfahren Sie in diesem Buch mehr. Aber vor allem geht es uns darum, Sie vor Tricks, Kniffen und zweifelhaften Produkten von Banken, Anlageberatern und Finanzmaklern zu warnen – und generell aufzuklären! »Herzlichen Dank für die öffentliche Darlegung der Betrügereien im Bankengeschäft. Auch ich gehöre zu den Betrogenen. Von meinem wenigen Geld – ich bin chronisch krank und arbeitslos und mein bisschen Erspartes muss bis zu meinem Tod reichen – hat mir die Bank einen großen Teil mit falschen Anlagen kaputtgemacht«, schreibt ein Leser zu einem Artikel in der Wirtschaftswoche im März 2008. Dieser Kommentar ist nur einer von vielen, die uns Autoren sehr bewegt und unsere Motivation verstärkt haben, Sie in diesem Buch auf gängige Finanzirrtümer hinzuweisen. Wir wollen Ihnen zeigen, dass man weder André Kostolany heißen noch ein ausgewiesenes Mathe-Genie sein muss, um auf überdurchschnittliche Renditen zu kommen.
Jeder, wirklich jeder kann sich gegen unseriöse Geschäftemacher und dubiose Finanzvertriebe und, ja, immer wieder auch gegen stink-normale Banken und Sparkassen wehren, die den Anleger mit überteuerten Produkten abzocken und mit zweifelhaften Kapitalanlagen ins Verderben stürzen. Es bedarf lediglich einer etwas breiter angelegten Allgemeinbildung zum Thema Finanzen, die Sie vor solchen Enttäuschungen schützt.
Ach ja, noch ein Hinweis für unsere Leserinnen: Wissen Sie eigentlich, wer die besseren Anleger sind – Männer oder Frauen? Mehr dazu erfahren Sie ebenfalls in diesem Buch. Und wer Bedenken haben sollte, dass Finanzthemen normalerweise sehr trocken und mit Fach-begriffen gespickt serviert werden, den können wir auch beruhigen: Das Lexikon der Finanzirrtümer bietet profundes Wissen in leicht lesbaren und gut bekömmlichen Häppchen – mit geldwertem Nutzwert. Selbst auf Profis warten noch viele Aha-Erlebnisse! Ausgewählte Links zu den jeweiligen Themen sowie ein umfassendes Schlagwortregister bieten den Lesern zudem fundierte Unterstützung bei wesentlichen Finanzfragen.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und natürlich viel Erfolg beim Steuern Ihrer persönlichen Finanzen.
Werner Bareis und Niels Nauhauser
Göppingen und Stuttgart im September 2008
PS: Die Mythen der Finanzwelt sind mannigfaltig. Wenn Sie auf Finanzirrtümer stoßen, die Sie in diesem Buch vermissen, schreiben Sie uns.