Leseproben

Einleitung

Wenn Ihr Wissen über Finanzen Lücken aufweist, kostet das praktisch immer bares Geld. Wenn Sie ohnehin genug auf dem Konto aben, dann ist das natürlich kein Problem. In allen anderen Fällen hilft Ihnen dieses Buch weiter.

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Was nichts kostet, ist nichts wert?

Irrtum: Bei Geldanlagen gilt: Qualität hat ihren Preis.
Richtig ist: Gerade die Kosten einer Geldanlage sind ausschlaggebend für den Anlageerfolg – je niedriger, desto besser

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Ihre ganz persönliche Aktienquote

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Irrtum: Die optimale Aktienquote beträgt 100 minus Lebensalter.
Richtig ist: Ob und wie viele Aktien für Sie persönlich sinnvoll sind, hängt von vielen Dingen ab. Ihr Alter spielt dabei höchstens eine Nebenrolle.

Sollten junge Leute ihr Geld wirklich hauptsächlich in Aktien investieren? Sollten Ältere lieber alles ohne Risiko anlegen? Ist eine Altersvorsorge, die je nach Lebensalter die Aktienquote anpasst, ein ideales Produkt? Leider sind solche Faustregeln zur optimalen Aktienquote vielleicht gutgemeint, aber dennoch schlechte Ratgeber. Da können Sie Aktien auch gleich nach dem Mondkalender kaufen. Welche Faktoren spielen bei der Frage nach der optimalen Aktienquote wirklich eine Rolle?

Da wäre zum einen Ihr ganz persönliches Sicherheitsbedürfnis: Wer ein hohes Verlangen nach Sicherheit hat, sollte nur eine sehr niedrige Aktienquote haben. Einem 30-Jährigen würde die Faustformel »100 minus Lebensalter« eine Aktienquote von 70 Prozent nahelegen. Wenn dieser junge Mann aber nicht mehr ruhig schlafen kann, aus Angst, sein Vermögen schmilzt beim nächsten Crash dahin, dann hat er eindeutig zu viele Aktien. Gleiches gilt, wenn der Arbeitsplatz eines Anlegers eher unsicher ist. In diesem Fall wäre eine hohe Aktienquote fatal, auch wenn ein Kurseinbruch möglicherweise einige Jahre später wieder ausgeglichen wäre. Denn was nützt dies dem Anleger, wenn er einen Lohnausfall nicht mit Erspartem ausgleichen kann, weil die Kurse gerade in den Keller gerutscht sind?

Ein weiterer Gesichtspunkt ist die Art der Aktienanlage: Aktien einzelner Gesellschaften können von heute auf morgen wertlos werden. Bei Aktienfonds hingegen, die Aktien von ganz unterschiedlichen Gesellschaften aus unterschiedlichen Ländern und Branchen halten, ist diese Gefahr minimal. Risiken sind auch hier vorhanden, sie sind aber bedeutend geringer als bei einzelnen Aktien. Ein Anleger, der in Aktienfonds investiert, kann also eine deutlich höhere Aktienquote wählen, als wenn er in wenige Einzelaktien investiert.

Was den Anlagezeitraum betrifft, gilt Folgendes: Je länger der zeitliche Horizont ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass Sie Verluste einfahren. Außerdem ist es beruhigend, eine vorübergehende Verlustphase aussitzen zu können, weil man genau weiß, dass man das Geld noch nicht benötigt. Wer dagegen in drei bis fünf Jahren ein Haus bauen möchte, ist gut beraten, weniger oder gar nichts in Aktien zu investieren. Und umgekehrt könnte ein 65-jähriges Ehepaar mit ausreichenden Renteneinkünften und schuldenfreiem Immobilienbesitz genauso gut einen viel größeren Anteil seines Vermögens in Aktien oder Aktienfonds halten, als es die Faustformel »100 minus Lebensalter« nahelegt. Vielleicht will das Ehepaar sein Aktiendepot ja auch gar nicht antasten, sondern eines Tages vollständig an die Kinder vererben. Dann wären bloße 35 Prozent Aktienanteile auf diesen langen Zeitraum hin gesehen ziemlich mager.

Hier noch einige konkrete Überlegungen zu optimalen Aktienquoten: Nehmen Sie an, Sie haben 10 000 Euro zur freien Verfügung und fragen sich, wie viel Sie davon in Aktienfonds und wie viel Sie sicher zu einem Zins von 4 Prozent angelegen sollen. Von Aktienfonds nehmen wir an, dass 3 Prozentpunkte mehr, insgesamt also 7 Prozent Rendite, realistisch sind. Allerdings müssen wir in der Rechnung auch den Fall berücksichtigen, dass der Aktienwert beispielsweise um die Hälfte einbrechen kann.

Fall 1: Sie legen ein Fünftel des Geldes, also 2 000 Euro, in Aktienfonds an.
Läuft alles wie erwartet, dann wächst die Aktienposition in zehn Jahren auf rund 3 900 Euro. Zusammen mit der sicheren Anlage beläuft sich das Vermögen auf rund 15 800 Euro. Sollte sich der Wert der Aktien halbieren, stehen nur etwa 12 800 Euro zu Buche. Dank der Zinseszinsen kann der Aktienverlust mehr als ausgeglichen werden.

Fall 2: Sie legen die Hälfte, also 5 000 Euro, in Aktienfonds an.
Nach zehn Jahren hat sich die Aktienposition nahezu verdoppelt, der höhere Einsatz macht sich bemerkbar: Das Gesamtvermögen steigt auf circa 17 200 Euro. Läuft es schlechter und die Aktienfonds halbieren sich nach zehn Jahren, dann können die Zinsen den Verlust nicht mehr ganz ausgleichen, denn es stünden Ihnen nur noch 9 900 Euro zur Verfügung.

Fall 3: Sie legen vier Fünftel, also 8 000 Euro, in Aktienfonds an.
Gegenüber dem zweiten Fall können Sie – wenn sich die Aktienmärkte wie erwartet rentieren – den Betrag möglicherweise noch um rund 1 500 Euro steigern, nämlich auf 18 700 Euro. Allerdings schrumpft das Kapital im schlechteren Fall auf nur noch rund 7 000 Euro – immerhin ein Verlust von 30 Prozent des eingesetzten Betrags.

Was meinen Sie, in welchem Fall fühlen Sie sich am wohlsten? Wie viel Verlust können Sie sich leisten? Und sind Sie mental bereit dazu, das zu akzeptieren? Hier die Ergebnisse der drei Beispielfälle in einer Überblickstabelle:

Tabelle Verlustrisiken

Wenn Sie mit einem Gesamtverlust von 30 Prozent leben können, dann sollten Sie die Chancen der Aktienanlage unbedingt nutzen. Wollen oder müssen Sie Verluste vermeiden, dann brauchen Sie eine sichere Anlage, deren Zinsen Verluste ausgleichen können. Je länger die sichere Anlage läuft, desto mehr Zinsen erwirtschaftet sie, das heißt, desto größer darf die Aktienquote sein. Wer Verluste schon auf fünf Jahre hinaus ausschließen möchte, sollte statt der 50 Prozent von Fall 2 lieber nur 30 Prozent in Aktienfonds investieren. Wer ein noch höheres Sicherheitsbedürfnis hat und auch dann noch Gewinne erzielen möchte, wenn der Aktienmarkt schlecht läuft, muss sich mit der sicheren Verzinsung von 4 Prozent zufriedengeben. Allerdings empfehlen wir auch diesen Anlegern, sich zu überlegen, ob sie wirklich überhaupt keine Aktienfonds möchten oder ob sie nicht wenigstens eine Quote von 10 oder 20 Prozent akzeptieren könnten. Immerhin würde sich bereits im ersten Fall der Vorsprung gegenüber der Anlage ganz ohne Aktienfonds nach 30 Jahren auf rund 8 700 Euro belaufen. Die optimale Aktienquote hängt bei einer vernünftigen Streuung mittels Aktienfonds also vom Anlagezeitraum und Ihrer Risikobereitschaft ab. Sie kann sich auch im Laufe der Zeit und mit den Lebensumständen verändern.

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