Leseproben

Einleitung

Wenn Ihr Wissen über Finanzen Lücken aufweist, kostet das praktisch immer bares Geld. Wenn Sie ohnehin genug auf dem Konto aben, dann ist das natürlich kein Problem. In allen anderen Fällen hilft Ihnen dieses Buch weiter.

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Was nichts kostet, ist nichts wert?

Irrtum: Bei Geldanlagen gilt: Qualität hat ihren Preis.
Richtig ist: Gerade die Kosten einer Geldanlage sind ausschlaggebend für den Anlageerfolg – je niedriger, desto besser

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Riester für Alle?

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Irrtum: Die Riester-Rente ist für jeden sinnvoll.
Richtig ist: Viele Riester-geförderte Produkte sind so teuer, dass jedweder Vorteil von den Vertragskosten aufgefressen wird.

Die Riester-Rente wird nicht zuletzt aufgrund ihrer staatlichen Förderung derzeit als so attraktiv dargestellt, dass man den Eindruck gewinnen kann, sie sei für jeden sinnvoll. Was dabei oft unter den Tisch gekehrt wird, sind erstens die Vertragskosten, die manchmal so hoch ausfallen, dass sie die gesamte Förderung aufzehren können. Zweitens wissen die wenigsten, dass die Riester-Rente im Alter versteuert wird. Die Förderung ist also eher geliehenes als geschenktes Geld.

Drittens hängt der Vorteil einer Riester-Rente darüber hinaus von einer ziemlichen Unwägbarkeit ab: Ihrer eigenen Lebenserwartung. Bevor wir auf die einzelnen Punkte eingehen, werfen wir zuerst mal einen Blick auf das, was die Riester-Rente eigentlich so attraktiv machen soll: die staatliche Förderung. Wer ist förderberechtigt? Im Prinzip jeder, der in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, und noch einige weitere Personenkreise. Mehr dazu erfahren Sie bei der Deutschen Rentenversicherung (vgl. die dazu angeführten Links).

Wie funktioniert die Riester-Rente? Die Förderung setzt sich aus Zulagen und Steuervorteilen zusammen. Ein Riester-Sparer kann jährlich eine Grundzulage in Höhe von 154 Euro erhalten. Wer für seine Kinder Kindergeld bezieht, erhält zusätzlich noch 185 Euro pro Kind, für ab 2008 Geborene gibt es sogar 300 Euro. Um diese Geldgeschenke vom Staat voll auszuschöpfen, müssen inklusive der Zulagen jedes Jahr 4 Prozent des Bruttolohns auf das Riester- Konto fließen. Der Steuervorteil besteht darin, dass sowohl die eigenen Beiträge als auch die staatlichen Zulagen in der Steuererklärung als Sonderausgaben geltend gemacht werden können.

Ein Beispiel: Nina Findig ist 30 Jahre alt und zahlt jährlich nur so viel in die Riester-Rente ein, wie nötig ist, um die vollen Zulagen zu erhalten. Sie verdient 30 000 Euro brutto jährlich. Die folgende Tabelle stellt die Eckpunkte der staatlichen Förderung ihres Vertrags zusammen:

Tabelle Förderung der Riester-Rente

Um die volle Grundzulage zu erhalten, müssen 4 Prozent von 30 000 Euro, also 1200 Euro, auf das Riester-Konto fließen. Davon übernimmt 154 Euro der Staat, 1046 Euro muss Nina selbst aufbringen. Das Finanzamt errechnet aufgrund der als Sonderausgabe absetzbaren Einzahlung in Höhe von insgesamt 1200 Euro bei einem angenommenen Steuersatz von 30 Prozent eine Einkommensteuerrückerstattung von 360 Euro. Diesen Betrag verrechnet es mit der Zulage in Höhe von 154 Euro und erstattet den Restbetrag.

Hört sich doch alles ganz hübsch an, meinen Sie? Das Problem: Nina Findigs Förderung in Höhe von 154 Euro Zulage plus 206 Euro Steuervorteil jährlich kann durchaus durch die Kosten des Anbieters wieder aufgezehrt werden. Wie hoch sind die Kosten eigentlich? »Es ist fast aussichtslos für Kunden, sich in den Vertragsunterlagen einen Überblick über die Gebühren zu verschaffen. Es ist zu komplex«, sagt Uwe Wystup, Professor für Quantitative Finance an der Frankfurt School of Finance & Management. Wystup hat jüngst vier Produkte unter die Lupe genommen, die ihren Anlegern die Renditen des Aktienmarktes versprechen. Die Belastung der Einzahlungen mit den Vertriebs- und Verwaltungskosten des Anbieters schwankt in den untersuchten Fällen zwischen 7,3 und 16,6 Prozent. Noch gänzlich unberücksichtigt sind hier die eigentlichen Kosten der Kapitalanlage. So fließen in den untersuchten Riester-Produkten Gelder etwa in aktiv verwaltete Aktienfonds, die jährlich im Durchschnitt 1,5 Prozent des Kapitals dahinschmelzen lassen. Zusätzlich fallen auch noch Kosten für die Kapitalgarantie an, die der Gesetzgeber für Riester-Produkte vorgeschrieben hat. Wystups zufolge betragen sie rund 0,5 Prozentpunkte zusätzlich. Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg hat festgestellt: »Nicht selten sind die Verwaltungskosten so hoch, dass sie die Zulage auffressen und sogar noch das selbst Angesparte anknabbern.«

Okay, denkt sich Nina, da vermeide ich doch lieber einen teureren Riester-Vertrag, informiere mich in Testzeitschriften und suche eine günstige Riester-Rentenversicherung. Das Angebot: Man will ihr eine Garantierente von 240 Euro monatlich ab Beginn des Ruhestandes mit 67 Jahren verkaufen. Ein guter Teil dieser Garantierente wurde mit staatlicher Hilfe finanziert. Bei Rentenbeginn schlägt dann die Stunde des Finanzamts und es holt sich einen Teil davon zurück, denn die Riester-Rente ist voll zu versteuern, ebenso im Übrigen ihre gesetzliche Rente und ihre betriebliche Rente. Sinkt ihr Steuersatz im Rentenalter auf 20 Prozent, dann ergibt das eine garantierte Rente von 192 Euro netto. Je nach Tarif kann eine jährliche Steigerung dieser Rente vertraglich vorgesehen sein, in unserer Rechnung gehen wir nicht davon aus. Der Versicherer freilich stellt auch eine höhere Rente in Aussicht, wenn die Überschüsse so bleiben, wie er sie zuletzt erzielt hat – das ergäbe dann nach Steuern sogar 360 Euro.

Rechnet sich dieser Riester-Vertrag für Nina? Die Kosten schlagen hier schon mal nicht sonderlich zu Buche, hat sie doch einen günstigen Anbieter gefunden. Wir rechnen und kommen zu folgenden Ergebnissen: Wie immer bei Rentenversicherungen müssen wir eine bestimmte Lebenserwartung annehmen, denn davon wird die Rendite maßgeblich beeinflusst. Da Nina jung ist und der medizinische Fortschritt weiter Einzug in die Statistik zur Lebenserwartung hält, kalkulieren wir mal – ähnlich wie viele Versicherer – mit einem Alter von 95 Jahren. Die mögliche in Aussicht gestellte Rendite beträgt demnach 4 Prozent nach Steuern, die vom Anbieter garantierte hingegen nur 2,1 Prozent.

Zu Recht findet Nina 95 Jahre sehr optimistisch und bittet darum, noch mal mit 90 Jahren zu rechnen. Die Rendite beträgt nunmehr möglicherweise 3,6 Prozent, wenn der Rentenversicherer bei der Kapitalanlage weniger Erfolg hat, bleibt sogar nur die garantierte Verzinsung, die Rendite fällt dann auf enttäuschende 1,6 Prozent. Schlimm genug, dass viele Riester-Verträge teuer und intransparent sind. Dreh- und Angelpunkt für die Rendite bei der Riester- Rente sind aber nicht allein die Kosten. Vielmehr ist es die hohe angenommene Lebenserwartung der Versicherer, welche die Renten drückt und die Attraktivität im Wesentlichen auf eine Wette auf ein langes Leben reduziert. Auch wenn die Entwicklungen der Vergangenheit für weiter steigende Lebenserwartungen sprechen (seit 1840 etwa gibt es in den Industrieländern einen vergleichsweise stetigen Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung um erstaunliche zwei bis drei Monate jährlich, und die sogenannte »feinere Lebenserwartung« von 60-jährige nimmt in Deutschland im Trend um 1,5 Monate pro Jahr zu), ist das ein Unsicherheitsfaktor. Und wenn Nina denkt, dieser Wette aus dem Weg zu gehen, indem sie einen Bank- oder Fondssparplan auswählt, verschiebt sie das Problem nur bis zum Rentenbeginn. Immerhin kann sie bis dahin aber deutlich besser abschätzen, ob sie die Wette auf ein langes Leben eingehen möchte. Wenn ja, sollte sie sich zu jenem Zeitpunkt für das angesammelte Kapital Angebote einholen und zum attraktivsten Anbieter wechseln. Wenn nein, besteht die Möglichkeit einer Kündigung. Immerhin werden von dem dann aktuellen Kapitalstand die Zulagen nur nominal, das heißt ohne Verzinsung, von ihr zurückgezahlt und die angefallenen Erträge versteuert. Die Versteuerung muss aber nicht nur Nachteile haben, im Gegenteil: Schließlich ist es günstiger, die Erträge erst viele Jahre später im Nachhinein zu versteuern als laufend jedes Jahr. Nina hat sich eine Rentenversicherung anbieten lassen, die in der Rentenbezugsphase keine Rentengarantiezeit enthält – stirbt sie nach Rentenbeginn, gehen die Erben in diesem Fall leer aus. Grundsätzlich ist es bei der Riester-Rente aber schon möglich, Kapital zu vererben. Allerdings kommt ein Vererben rechtlich gesehen einer Kündigung gleich, mit der Konsequenz, dass die Förderung zurückgezahlt werden muss. Das gilt sowohl in der Ansparphase als auch in der Rentenbezugsphase. Nur an den überlebenden Ehepartner kann das Guthaben im Todesfall vollständig übertragen werden, aber nur, sofern dieser auch einen Riester- Vertrag hat, auf den das Kapital dann eingezahlt wird.

Richtig attraktiv wird die Rendite erst, wenn Nina alleinerziehende Mutter von zwei kleinen Kindern ist und nur halb so viel verdient wie jetzt. Dann zahlt sie selbst weniger ein und der Staat stattdessen mehr, und für sie ergibt sich, selbst wenn sie nur 85 Jahre alt würde, eine rechnerische Rendite von rund 7,5 Prozent pro Jahr. Freilich lohnt sich für Nina auch dann der Abschluss einer Riester-Rente nur, wenn sie die Früchte des langen Ansparens auch ernten kann. Soweit ihre Alterseinkünfte später nicht für einen bescheidenen Lebensstandard reichen, gewährt der Staat als Sozialleistung die sogenannte Grundsicherung. Vorhandenes Vermögen, egal, ob es mit oder ohne Riester-Förderung gebildet wurde, wird dann mit jener verrechnet. Im Einzelfall kann das bedeuten, dass das langjährige Sparen nicht zu einer gesteigerten Altersrente führt, zum Beispiel, weil 100 Euro gesetzliche Rente plus 500 Euro private Rente immer noch zu wenig zum Leben sind und daher vom Sozialamt auf, sagen wir, 800 Euro aufgerundet werden. Das Sparen für die 500 Euro war dann für die Katz, da auch 800 Euro erhält, wer nicht privat angespart hätte. Trotzdem wäre es ziemlich riskant, auf diese gerade bei Geringverdienern großzügig geförderte Vorsorge zu verzichten. Denn niemand kann mit Sicherheit absehen, ob er im Alter wirklich auf die Grundsicherung angewiesen sein wird, wie hoch diese dann ist und wie die Anrechnung bis dahin geregelt ist.

Unser Fazit lautet deshalb: Eine erste Grundvoraussetzung für eine sinnvolle Riester-Rente ist die Wahl eines günstigen Anbieters. Nur dann kommt der Fördereffekt voll der Altersvorsorge zugute. Der Fördereffekt kann besonders bei Geringverdienern mit hohen Zulagen für einen Renditeschub sorgen. Für alle anderen gilt: Je niedriger die Steuern in der Rentenbezugszeit im Vergleich zur Erwerbsphase sind, desto größer ist der Fördereffekt. Und schließlich profitieren natürlich besonders diejenigen, die sehr alt werden und die Rente daher sehr lange beziehen.

Links:
www.altersvorsorge-macht-schule.de/grundkurs5.html (Informationen unter Federführung der Deutschen Rentenversicherung zu privater Vorsorge und Riester-Rente; kostenlose Hotline zur Prüfung der Förderberechtigung)
www.deutsche-rentenversicherung-bund.de (Unter »Grundsicherung « können Sie häufige Fragen und Antworten zum Thema nachlesen.)
www.oekotest.de (kostenpflichtige Testberichte)
www.finanztest.de (kostenpflichtige Testberichte)

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