Leseproben
Was nichts kostet, ist nichts wert?
Irrtum: Bei Geldanlagen gilt: Qualität hat ihren Preis.
Richtig ist: Gerade die Kosten einer Geldanlage sind ausschlaggebend
für den Anlageerfolg – je niedriger, desto
besser
Auf dem Markt für Geldanlagen gibt es eine Reihe seltsamer Phänomene. Eines der merkwürdigsten ist, dass Menschen, die sonst die Preise für Digitalkameras und sogar Gewürzgurken vergleichen und Telefontarife bis auf ein Zehntel Cent herunterbeten können, bei den Kosten für Geldanlagen eine schier unglaubliche Großzügigkeit an den Tag legen. Dabei geht es gerade hier keinesfalls nur um Bruchteile von Cents, sondern regelmäßig um Tausende von Euro pro Haushalt.
Die Kosten einer Geldanlage werden häufig deshalb unterschätzt, weil die meisten Leute kein Gefühl für die Langzeitwirkung von Zins und Zinseszins haben. In der menschlichen Entwicklung brachte die Fähigkeit zum Zinsrechnen eben keinen Überlebensvorteil mit sich. Wichtiger war es in der Steinzeit, die Anzahl der gesichteten Mammuts grob zusammenzählen und flink laufen zu können, wenn ein Säbelzahntiger um die Ecke kam.
Auch heute sichert die Fähigkeit des Zinsrechnens nicht unbedingt Ihr Überleben, bringt Ihnen aber gewisse Vorteile. Stellen Sie sich vor, zwei Personen legen einmalig 10 000 Euro an. Die eine erreicht 5 Prozent Rendite, bei der anderen reduzieren höhere laufende Kosten den Ertrag auf lediglich 3,5 Prozent pro Jahr. Nach zehn Jahren ist der erste Anleger um 6300, der zweite nur um 4100 Euro reicher geworden. Läppische anderthalb Prozentpunkte mehr Rendite führen zu einem Unterschied von 53 Prozent beim Vermögenszuwachs. Nach 20 Jahren vergrößert sich der Vorsprung sogar auf 67 und nach 30 Jahren auf 84 Prozent. Dann kann sich der eine Anleger über einen Zuwachs von über 33 000 Euro freuen, während der andere nur um 18 000 Euro reicher geworden ist.
Wie sieht nun die Kostenbelastung bei verschiedenen Geldanlagen in der Praxis aus? Kostengünstig sind Indexfonds und ETFs. Was das ist? Erklären wir gleich. Das Erste, was Sie wissen sollten: Die jährlichen Kosten belaufen sich hier bisweilen nur auf 0,3 Prozent. Dagegen liegt die Gesamtkostenquote aktiv gemanagter Aktienfonds inzwischen durchschnittlich bei 1,8 Prozent pro Jahr, Tendenz steigend. Übrigens geht von der jährlichen Managementgebühr häufig rund die Hälfte an den Vertrieb. So viel zu den »kostenlosen« Beratungsgesprächen bei Banken und Finanzdienstleistern. Indexfonds kommen hingegen ohne aktives Management aus. Sie bilden einfach passiv einen gängigen Index nach, etwa den DAX oder einen Index für festverzinsliche Wertpapiere – eine erfolgversprechende Strategie. Denn dadurch fallen die Kosten des Fonds deutlich geringer aus. Das soll fürs Erste reichen. Wir werden später darauf zurückkommen. Bei Lebens- und privaten Rentenversicherungen reduzieren die jährlichen Kosten auch ohne Absicherung des Todesfallrisikos die Rendite um bis zu 2 Prozentpunkte pro Jahr. Auch die bei den Anlegern in jüngster Zeit recht beliebten Zertifikate scheinen nur auf den ersten Blick günstig zu sein, denn zu den ausgewiesenen Kosten kommen noch verdeckte hinzu. »Im Durchschnitt haben Zertifikate intransparente Kosten von 3,5 Prozent«, sagt Ralph Siebald von der auf Banken spezialisierten Unternehmensberatung Dr. Seebauer & Partner in der FAZ, nachdem er 2000 Papiere unter die Lupe genommen hat. Und zu den genannten jährlichen Kosten kommen einmalige Kosten: So können bei Investmentfonds die Ausgabeaufschläge 5 Prozent und mehr betragen. Bei Lebensversicherungen fallen meist zwischen 3,5 bis 9 Prozent der Versicherungssumme als Abschlusskosten an.
Wichtig ist, Anlageformen zu wählen, die bei ähnlichen Erfolgschancen niedrige Kosten ausweisen. Hier einige Tipps dazu:
- Besonders hoch fallen die Kosten für eine Geldanlage aus, wenn ein Anleger es sich immer wieder anders überlegt und laufend Aktien oder den Investmentfonds wechselt. Es ist schon was dran am Börsenspruch »Hin und her macht Taschen leer«.
- Wenn eine Lebensversicherung oder private Rentenversicherung in Frage kommt, sind die Wahl des Anbieters und dessen Kostenquoten entscheidende Gesichtspunkte für den langfristigen Erfolg der Anlage. Die einschlägigen Vergleiche in Finanzzeitschriften wie Finanztest, Capital und Wirtschaftswoche sind hier bares Geld wert.
- Wer auf Investmentfonds mit aktivem Management setzt, kann die Kosten für die Ausgabeaufschläge reduzieren, indem er sie über spezielle Fondsvermittler kauft. Fondsdiscount beispielsweise oder auch Dima24 verlangen für ihre Beratung Honorare anstatt der sonst in Deutschland üblichen, vom Anlagebetrag abhängigen Provision. Eine Liste günstiger Direktbanken für Indexfondssparpläne finden Sie im Kapitel zum Cost-Average- Effekt (S. 160).
- Bei Fonds können Sie die laufenden Kosten generell minimieren, indem Sie sich für Fonds mit niedriger Kostenbelastung entscheiden. Die Gesamtkostenquote (Totale Expense Ratio, abgekürzt TER) drückt aus, welcher Prozentsatz des Vermögens bei Fonds jährlich für Kosten anfällt. Dazu später mehr. Doch nun die entscheidende Frage: Bringen kostengünstige In- Anlegen weniger Ertrag? Was nichts kostet, ist auch nichts wert, könnte man meinen. Dem ist aber nicht so. Eine ganze Reihe von Untersuchungen etwa des amerikanischen Finanzdienstleisters Standard & Poor´s, des britischen Finanzdienstleisters und Datensammlers Fitzrovia oder des Fondsmagazins e-fundresearch zeigen: Fonds mit niedrigeren Kosten bringen sogar höhere Renditen. Jörg Finsinger, Professor für Finanzdienstleistungen an der Universität Wien, meint, dass auch bei Lebensversicherungen der Erfolg der Top-Ten-Lebensversicherer nicht von ihrer geschickten Geldanlagepolitik abhängt, sondern von ihren niedrigen Kosten. Magier mögen es für gewöhnlich nicht, wenn man ihre Tricks verrät. Die »Zauberer« der Finanzindustrie, die in ihren Glaspalästen sitzen, werden davon auch nicht angetan sein. Vor allem dann nicht, wenn ihre Zauberkunststückchen darin bestehen, Teile der Erträge aus den Geldanlagen ihrer Kunden über diverse Kostenposten völlig legal in die eigenen Taschen umzuleiten. Doch genau das ist der Trick, mit dem sie es schaffen, ihr eigenes Vermögen beständig zu mehren und unter anderem besagte Glaspaläste aus dem Hut zu zaubern.